Danserey
Renaissance-Tänze

"Das sind doch so Schreittänze" oder "so was wie Menuett" - das sind fast immer die ersten Reaktionen, wenn das Gespräch auf Renaissance-Tanz kommt. Diese häufig durch Filme geprägte Vorstellung spiegelt leider nur ein sehr eingeschränktes und oft auch falsches Bild dessen wieder, was im weitesten Sinne unter Renaissancetanz verstanden wird.

Die Danserey Landshut möchte Tänze aller gesellschaftlichen Schichten aus der Zeit der Renaissance möglichst getreu den vorliegenden Beschreibungen der Zeit lebendig werden lassen.
Grundsätzlich muss zwar im historischen Tanz differenziert werden zwischen den Tänzen der unteren Schichten und denen der höfischen Gesellschaft. Beispielsweise ist aus Spanien bekannt, wie höfische Tanzmeister ihre Schüler vor dem verderblichen Beispiel von "Straßenlehrern" warnen, deren wohl auch maurisch inspirierter Tanzstil Sprünge, ausladende Armbewegungen etc. aufwiesen, die im höfischen Tanz jener Zeit verpönt waren.
Andererseits waren die Grenzen zwischen den Gesellschaftsschichten durchaus offen, so dass sich auch das Bürgertum im höfischen Tanz übte, wie die Briefe Nürnberger Kaufleute aus Venedig zeigen. Und auch der höfische Tanz bediente sich an Elementen des Volkstanzes. So wurden Sarabande und Villanella in abgewandelter Form "gesellschaftsfähig", der Skandaltanz des 16. Jahrhunderts - die unterrockentblößende Volta - wurde zum Lieblingstanz von Elisabeth I.
English Country Dances mit ihrem ländlichen Ursprung wurden stärker formalisiert sowohl bei Hofe als auch beim Bürgertum getanzt und haben dann wieder Eingang in den englischen und schottischen Volkstanz als auch in den amerikanischen Square Dance genommen.

Das Repertoire der Danserey Landshut enthält ländliche wie höfische Tänze von der Frührenaissance bis zum Frühbarock, und auch den einen oder anderen traditionellen Volkstanz verschmähen wir nicht.

Mittelalter/Frührenaissance

Tänze des Mittelalters und der Frührenaissance können aufgrund der spärlichen Beschreibungen nur über die Tanzmusik, bildliche Darstellungen, sowie aus den hieraus hervorgegangenen späteren Tanzformen abgeleitet werden. Beliebt waren Ronden (Kreistänze) und Farandolen (Reigentänze), die mit Geh-, Wechsel- und Hüpfschritten sowie Sprüngen getanzt wurden.
Wir tanzen aus dieser Zeit:

Französische Renaissance

Es existieren leider nur wenige exakte Beschreibungen für Tänze des einfachen Volkes und des Bürgertums aus der Renaissance. Der Domherr Thoinot Arbeau veröffentlichte 1589 das umfassendste Tanzbuch der Renaissance - die "Orchésographie et traité en forme de dialogue". Er beschreibt Tänze, die in seiner Jugend, das heißt Anfang des 16. Jahrhunderts, getanzt wurden; er nimmt explizit auch Tänze der niederen Stände auf, zum Beispiel die Branle de l‘Official (Küchenhelfer). Die Branles (vorwiegend Kreistänze) bilden zahlenmäßig den Schwerpunkt der Orchésographie. Sie werden auf einfache heitere Melodien in möglichst hoher Geschwindigkeit getanzt. Gute Tanzmusiker fordern "ihre" Tänzer zusätzlich, indem sie verschiedene Branles spontan zu Suiten kombinieren. Weitere Tanzformen bei Arbeau wie Pavanen und Gaillarden sind mehr dem höfischen Tanz zuzuordnen. Daneben gibt es aber auch die heute eher "exotisch" anmutende Choreographie für einen Schwertertanz Les Bouffons.
Wir tanzen von Arbeau und weiteren Quellen der französischen Renaissance folgende Tänze:

Quattrocento - Italienische Hochrenaissance

Die ersten ausführlichen und somit rekonstruierbaren Tanzbeschreibungen überhaupt finden wir in Burgund sowie im Italien des 15. Jahrhunderts. Wichtige höfische Tanzmeister und Autoren sind beispielsweise Dominico da Piacenca, Ghuliermo Ebreo und Maria von Burgund. Haupttanzform war lange Zeit die Bassa Danza - charakterisiert durch getragene schwebende Schritte und Choreographien mit hohen Ansprüchen an Gedächtnis und Eleganz. Die durch die Tanzmeister neu erfundenen Balli dagegen sind gekennzeichnet durch starke rhythmische Gliederung der Tanzmusik sowie eine abwechslungsreiche Besetzung. Häufig sind Dreierkonstellationen, aber auch Figurentänze für bis zu zehn Tänzer beschrieben.
Wir tanzen aus dieser Zeit die folgenden Balli:

Cinquecento

Das italienische 16. Jahrhundert steht tänzerisch bereits am Übergang zum Barock. Aus dieser Zeit sind vor allem aus Norditalien durch Fabrizio Caroso und Cesare Negri umfangreiche Tanzsammlungen erhalten. Als wichtiges Element des Tanzes gewinnt neben der Choreographie die Schritttechnik an Bedeutung. Es werden eine Vielzahl verschiedener Schritte und Sprünge eingeführt und ausführlich beschrieben. Die ausgefeilten Gaillardenvariationen beispielsweise bedurften bei richtiger Ausführung täglicher Übung und speziell für den männlichen Tänzer auch eine entsprechende Fitness.
Die Anmut und Raffinesse der Tanzkultur im Italien der ausgehenden Renaissance sollen folgende Tänze zeigen:

English Country Dances

In England wurden bereits zur Zeit Elisabeth I. (1558-1603) Country Dances bei Hofe eingeführt, ursprünglich vielleicht entstanden aus den Reigen des späten Mittelalters. Der Hauptgrund für den großen Erfolg der in die tausende gehenden Country Dances dürften die einfallsreichen Tanzabfolgen und -figuren basierend auf den Grundformen Longway (lange Gasse), Square (Viereck) und Rounds (Kreistanz) sein. Die Country Dances waren immer auch in bürgerlichen Kreisen populär. Im Gegensatz zur Aufführung bei Hofe wurde dort wohl auf die später in Mode kommenden französischen Schritte weniger Wert gelegt. Das erfolgreichste Tanzbuch aller Zeiten "The English Dancing Master" von John Playford erschien in der ersten Ausgabe 1651 in London. Es wurde dann in 18 Auflagen bis 1728 gedruckt.
Wir wollen mit den folgenden Tänzen einen Eindruck von der Lebendigkeit und Vielseitigkeit der English Country Dances geben:

Traditionelle Volkstänze

Der Übergang zwischen Volkstanz und historischem Tanz ist dort fließend, wo Volkstanz auf einer langen Tradition beruht und "aktuelle" Tänze bereits seit dem vorletzten Jahrhundert oder länger getanzt werden. In der Bretagne beispielsweise werden heute noch Branles wie die Erbsen-Branle vergleichbar wie bei Arbeau 1589 beschrieben getanzt. Andere Volkstänze wie beispielsweise Bourree und Mazurka haben ihre Ursprünge ebenfalls im 16.-17. Jahrhundert.
Wir tanzen insbesondere auch gerne zusammen mit unserem Publikum:


"Das sind doch so Schreittänze" oder "so was wie Menuett" - ...
Wer also jetzt Lust bekommen hat, sich die Vielfalt im historischen Tanz einmal "live" anzusehen, der komme im Sommer bei einem unserer Auftritte vorbei. Aber Vorsicht,

das kann ein ansteckender Virus sein, der nur durch aktive "Tanztherapie" in Schach gehalten werden kann. Gruppen, die gerne neue Leute aufnehmen, gibt es vor allem in Süddeutschland mittlerweile recht viele.